
kinderarbeit - storys
Panoramabild "Ausbeutung von Kindern"
Biba, 15, Hausmädchen
(Kopie 1)
Biba Saidou aus dem westafrikanischen Niger ist eine „little maid“, ein Hausmädchen. Das 15-jährige Mädchen arbeitet zwölf Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Sie erledigt im Haus ihres Chefs alle anfallenden Hausarbeiten, sie putzt, sie spült, sie kauft ein und sie kocht. Aber sie selbst bekommt nicht viel zu essen. Zum Mittag kocht sie meistens Reis mit Sauce, davon darf sie sich einen kleinen Teller beiseite stellen und am Abend mitnehmen. Um 19 Uhr kann sie nach Hause gehen.
Trotzdem beschwert sich Biba nicht. Über ihren Job spricht sie sachlich und sagt, sie fühle sich nicht ausgebeutet. In dem Haus, in dem sie vorher gearbeitet hat, war die Arbeit noch härter und ihr früherer Arbeitgeber viel strenger. „Ich würde lieber zur Schule gehen als zu arbeiten, aber sie würden mich wegen meinem Alter nicht aufnehmen“, sagt sie.
Lest hier Bibas Geschichte (pdf)
Bariras lange Tage
(Kopie 2)
Barira ist erst zwölf Jahre alt. Sie steht bei Sonnenaufgang auf, aber geht nie vor 22 Uhr abends schlafen. Ihre Mutter hat sie zu ihrer Großmutter geschickt und dort lebt sie jetzt in einem Dorf in Safo Nassaraoua, südwestlich von Maradi. Aufgrund der langen Familientradition wurde vereinbart, dass Barira ihrer Großmutter im Haus hilft. Neben Bariras Großeltern, dem Onkel und der Tante, leben noch elf weitere Kinder in dem Haushalt. Das heißt, es gibt viel zu tun. Aber Bariras Arbeitspensum hat sich so gesteigert, dass sie jetzt ständig schuftet, als Hausmädchen zu Hause und beim Verkauf von Waren auf dem Markt in Maradi. Traditionell werden Kinder in Niger von ihren Eltern oft zu nahen oder auch entfernten Verwandten gegeben - möglichst zu Angehörigen in eine Stadt. Denn die Eltern hoffen, dass ihre Kinder dort zur Schule gehen oder einen Handel lernen können. Barira empfindet ihr Leben als ganz normal, obwohl sie zugibt, dass sie niemanden kennt, der härter arbeitet als sie.
Lest hier Bariras Geschichte (pdf)
Hier könnt Ihr Euch eine Fotoreportage "24 Stunden in Niger" anschauen. Hier gibt es noch mehr Infos zur UNICEF-Arbeit dort.
Hum Kumari: Vom Steinbruch zur Schule
Die zwölfjährige Hum Kumari wohnt mit ihrer Familie in Lekh Nath. Die Menschen, die hier leben, kommen aus den hoch gelegenen Dörfern Nepals auf der Suche nach Arbeit in die Flußgegend. Hier errichten sie dann illegal ihre Hütten und arbeiten im Steinbruch. Wenn der Fluß in der Regenzeit ansteigt, ziehen die Familien wieder in ihre Heimatdörfer.
Hum Kumari gräbt den Sand und sortiert die Steine aus. Die Eltern tragen die Säcke dann hoch. Einmal in der Woche kommt ein LKW und transportiert die Sandsäcke ab. Der LKW-Fahrer zahlt den Familien ihren Lohn: 3 Euro für eine Wagenladung voll. Dafür arbeitet die Familie drei bis vier Tage. Nur schwer kann die Familie davon die 3 Euro Monatsmiete bestreiten.
Für die Kinder aus den Steinbrüchen sind die "Bal Shiksha"-Klassen am frühen Morgen die einzige Chance, zur Schule zu gehen. Von 6.30 bis 8.30 Uhr besuchen die Kinder die "Himalaya Primary School". Der reguläre Schulunterricht ist dann von 10 bis 16 Uhr. Das Geld für die Schuluniform könnten Hum Kumaris Eltern niemals aufbringen. In ihrem Heimatdorf ist sie einige Wochen zur Schule gegangen, aber dann konnte sich die Mutter die Stifte und Schulbücher nicht leisten. Außerdem wird ihre Arbeitskraft im Steinbruch gebraucht. 35 Kinder sitzen in der Klasse, viele bringen ihre jüngeren Geschwister mit, auf die sie aufpassen müssen. Hum Kumari hat einen Traum: „Ich möchte gerne Ärztin werden“.
Indien: Schule statt Schuldknechtschaft
Lakshmi Boya aus Indien war gerade sechs Jahre alt, als ihr Vater sie zum Arbeiten auf eine Baumwollfarm gab. Anhaltende Dürre und der Ausfall. Anhaltende Dürre und der Ausfall mehrerer Ernten hatten die Kleinbauern-Familie aus dem Dorf Kankadur in große Not gebracht. Die Eltern hatten sich mehrmals Geld leihen müssen. Lakshmi sollte helfen, die Schulden von umgerechnet 75 Euro abzutragen.
Jeden Morgen lief die Sechsjährige nun mehrere Kilometer zur Arbeit, um den ganzen Tag unter sengender Sonne auf dem Baumwollfeld zu arbeiten. Abends war sie oft so müde, dass sie ohne Abendessen ins Bett fiel. Doch der Schuldenberg wurde kaum geringer. Nachdem auch die nächste Ernte ausgefallen war, nahm Lakshmis Vater sich aus Verzweiflung das Leben. Er trank Pflanzenschutzmittel - in den Baumwollregionen Indiens hat diese Art des Selbstmords unter den verarmten Kleinbauern immer mehr zugenommen. Lakshmis Mutter stand nun mit vier Kindern ganz allein da.
Heute ist Lakshmi zwölf Jahre alt - und kann endlich lernen. Gerade hat sie die erste Klasse abgeschlossen. Das Mädchen ist sehr stolz auf ihre neuen Schulbücher von UNICEF und möchte am liebsten selbst Lehrerin werden.
Javier: Leben vom Müll

- LupeKinder auf einer Mülldeponie in Ecuador
Javier arbeitet auf der Müllkippe der Stadt Portoviejo in Ecuador. „Ich komme jeden Morgen mit meiner Tante Solanda her“, erzählt der Zehnjährige schüchtern. Jetzt, gegen Mittag, sind die Hitze und der Gestank unerträglich. Aus brennenden Müllhaufen steigt schwarzer Qualm in den Himmel. Kühe und Schweine trotten umher, Krähen picken auf der Suche nach etwas Essbarem im Müll. Der nächste Müllwagen nähert sich, und Javier springt auf. Zusammen mit anderen Kindern und Erwachsenen stürzt er sich auf den frisch abgeladenen Müll und versucht, sich die besten Stücke zu sichern. Mit geübtem Blick sortiert er Plastik, Metall, Papier, Glas, Kleidung und Holz für den Verkauf an einen Zwischenhändler.
Auch Solandas siebenjähriger Sohn und ein weiterer Neffe arbeiten vormittags auf der Müllkippe, nachmittags haben sie Unterricht. „Wir haben es geschafft, viele der Kinder wieder in die Schule zu bringen“, sagt Cristobal Calderon, einer der Sozialarbeiter. „Ihre Eltern haben im Leben nicht viele Chancen gehabt.“ Magali Briones, Mutter des zwölfjährigen Armando, sagt: „Vor zehn Jahren starb mein Mann - seitdem arbeite ich hier. Ich konnte keine andere Arbeit finden, und meine Kinder hatten Hunger.“ Mit Unterstützung durch UNICEF haben sich Magali und einige Nachbarn zu einer Recycling-Genossenschaft zusammengetan. Gemeinsam wollen sie bessere Preise erzielen - und ihre Kinder weiter zur Schule schicken.
extras
buchtipp
Tahar Ben Jelloun: Die Schule der Armen (2003)
Ein afrikanischer Lehrer kämpft gegen Armut und Kinderarbeit, weil seine Klasse nicht mehr zum Unterricht erscheint. Die Schüler arbeiten stattdessen für einen einzigen Dollar am Tag in einer Schuhfabrik.
downloads
UNICEF Informationen
Sonderheft "Kinder vor Gewalt schützen" (pdf / 9,53 MB)
Kinderarbeit: Grenzenlose Ausbeutung (pdf / 0,9 MB)
Kinderhandel: Zerstörte Kindheit (pdf / 798 KB)
UNICEF-Projekte gegen Kinderarbeit
Indien: Schutz für Kinder in der Baumwollindustrie (pdf / 204 KB)
Nepal: Kinder vor Ausbeutung schützen (pdf)
Philippinen: Kampf gegen Prostitution (pdf / 199 KB)
links zum thema
UNICEF-Aktion 2008: Stoppt Ausbeutung!
Mehr Material in der UNICEF-Mediathek
Weitere Infos gibt es unter www.saubere-kleidung.de















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