aids - storys I/II

Panorama-Bild AIDS

UNICEF-Thema Aids | Agira ist eine Aids-Waise. Ihre Eltern sind an Aids gestorben. In der Hand hält sie das Hochzeitsfoto ihrer Eltern. | Foto: UNICEF/Giacomo Pirozzi Mozambique

"Mein Name ist Nkosi und ich habe AIDS."

LupeNkosi Johnson beteiligte sich aktiv am Kampf gegen AIDS. Anlässlich des 13. Welt-AIDS-Kongresses in Durban 2000 hielt er vor den Delegierten eine Rede und forderte mehr Toleranz und Hilfe. Am 1. Juni 2001 starb er mit 12 Jahren an den Folgen von AIDS.

„Hallo, mein Name ist Nkosi Johnson. Ich lebe in Melville, Johannesburg, Südafrika. Ich bin erst 11 Jahre alt, und ich habe AIDS in vorgerücktem Stadium. Ich wurde HIV-positiv geboren. Meine Mami war auch infiziert und konnte es sich nicht erlauben, mich bei sich zu behalten. Sie hatte sehr viel Angst, dass die Leute uns vertreiben würden. Ich weiß, sie hatte mich sehr lieb und hätte mich im Heim besucht, wenn sie gekonnt hätte. 

Dann musste das Behandlungszentrum schließen, weil sie kein Geld hatten. Zum Glück nahm mich die Direktorin des Behandlungszentrums Gail Johnson, bei der ich schon oft am Wochenende war, als Pflegemutter zu sich. Ich lebe seit acht Jahren bei ihr. Sie hat mir beigebracht, dass ich auf mein Blut aufpassen muss, wenn ich falle oder mich verletze. Dann muss ich die Wunde abdecken und einen Erwachsenen fragen, sie zu putzen und ein Pflaster darauf zu kleben.  

Ich weiß, dass mein Blut nur gefährlich für andere Leute ist, wenn sie auch eine offene Wunde haben und wenn mein Blut da hineinkommt. Dies ist der einzige Fall, wo Leute vorsichtig sein müssen, wenn sie mich berühren.

1997 ging Mami Gail zur Schule, Melpark Primary, und sie musste ein Formular für meine Aufnahme ausfüllen, in dem gefragt wurde: „Leidet Ihr Kind an irgendwas?“ und sie sagte „Ja, AIDS“. Meine Mami Gail und ich sind immer offen mit meiner AIDS-Erkrankung umgegangen. In der Schule gab es eine Besprechung über mich. 50 Prozent der Eltern und Lehrer „ja“ und 50 Prozent „nein“.  

Mein Fall wurde von den Medien aufgegriffen. Meine Mami Gail und ich gaben eine Menge Interviews über meine Einschulung. Ich bin sehr stolz zu sagen, dass es jetzt eine Bestimmung für alle HIV-infizierten Kinder gibt, die es ihnen erlaubt, in Schulen zu gehen und nicht davon ausgeschlossen zu werden.

Und im selben Jahr, kurz vor meinem Schulbeginn, starb meine Mami Daphne. Meine Mami Gail nahm mich zum Begräbnis meiner Mutter mit. Meine Oma war sehr traurig, dass ihre Tochter gestorben war. Dann sah ich meinen Vater zum ersten Mal. Ich hatte nie gewusst, dass ich einen Vater hatte. Er war sehr bestürzt, aber ich dachte mir: „Warum hat er meine Mutter und mich verlassen?“

(gekürzt aus: Brot für die Welt: HIV / AIDS, Unterrichtsmaterial für Sekundarstufe II und Berufliche Schulen, Stuttgart 2002, S. 45/46)

Eduarda

Eduarda lebt in einer deutschen Kleinstadt. Sie kommt aus einem Land im südlichen Afrika, in dem immer noch Krieg herrschte, als sie es 2000 verließ.

 „Ich war 15, als ich nach Deutschland kam und Asyl beantragte. Nach den ersten paar Monaten hier war ich dauernd krank. Ich hatte Fieber und konnte nicht stehen. Ich dachte erst, dass ich Malaria hatte, denn die hatte ich schon öfter.

Der Doktor hatte seine Zweifel und schlug schließlich vor, einen HIV-Test zu machen. Ich war überzeugt davon, negativ zu sein. Aber dann war ich doch positiv. Ich musste sehr weinen, weil ich glaubte, sterben zu müssen. Ich dachte, dass es gegen HIV keine Medizin gäbe, aber der Arzt erzählte mir von der Kombinationstherapie, die ich seither bekomme.

Inzwischen habe ich eine Aufenthaltsgenehmigung, gehe zur Schule, um Deutsch zu lernen und wohne in einem Studentenwohnheim. Später möchte ich gerne eine Lehre als Kellnerin machen. Ich habe den Eindruck, dass HIV heutzutage normal ist. Es ist nur so, dass es zwar jeder bekommen kann, aber niemand es will.

Ich kenne ein positives Mädchen in meinem Wohnheim. Mit ihr rede ich manchmal über meine Infektion, aber mit sonst kaum jemandem. Ich gehe nur zu den Kontrolluntersuchungen ins Krankenhaus und um die Medikamente zu erhalten. Ich bekomme nicht viel Sozialhilfe, kann aber davon kaufen, was ich will. Mit anderen Afrikanern hier habe ich viel Kontakt. Ich gehe auf Feste, koche Essen und singe mit ihnen, aber sie wissen nicht, dass ich infiziert bin.

Mein großer Traum ist, meine Mutter und meine Brüder zu suchen. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr wohnte ich in einer Gegend, in der Krieg herrschte. Nachdem eine Bombe auf unser Haus gefallen war, sah ich meinen Vater schwer verwundet auf dem Boden liegen. Ich wurde gerettet, aber meine Mutter und meine Brüder habe ich seither nicht wieder gesehen. In der Schule sprechen wir niemals über meine Infektion. Ich will nicht darüber sprechen, weil ich Angst habe, weinen zu müssen. Manchmal glaube ich nicht, dass ich positiv bin. Aber wenn ich ins Krankenhaus gehe schon. Ich weiß, dass ich krank werden kann, wenn ich meine Tabletten nicht einnehme.“

Interview: Tanne de Goei, aus: Gekeler, Corinna / Hetzel, Dirk (Hg.): Blickpunkt AIDS. Deutsche Aids-Hilfe e.V. Berlin 2005

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Keren Gonzales (13) aus Honduras kämpft gegen AIDS.

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